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Grade und Punkte | Wie wird das gemessen? | Welche Module gibt es? | Die Module im Einzelnen

Die Voraussetzungen für Pflegebedürftigkeit sind im Gesetz (11. Buch des Sozialgesetzbuches - SGB XI) genau definiert. Pflegebedürftig ist, wer körperliche, geistige oder psychische Beeinträchtigungen oder gesundheitlich bedingte Belastungen oder Anforderungen nicht selbstständig kompensieren oder bewältigen kann und deshalb fremde Hilfe benötigt.

Pflegegrade und Punktzahlen

 
PflegegradPunkteDefinition
Pflegegrad 1 ab 12,5 Geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 2 ab 27 Erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 3 ab 47,5 Schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 4 ab 70 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit
Pflegegrad 5 ab 90 Schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung

Wie wird eine Pflegebedürftigkeit gemessen?

Eine Pflegebedürftigkeit wird daran gemessen wie stark jemand in Ihrer Selbstständigkeit eingeschränkt ist und nicht wie schwer jemand behindert oder erkrankt ist.Die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten muss auf Dauer bestehen - voraussichtlich für mindestens 6 Monate.

Welche Module gibt es?

Im Rahmen der Pflegebegutachtung wird durch die Gutachterinnen und Gutachter festgestellt, ob in den folgenden sechs Bereichen (Modulen) eine Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten vorliegt, und wie stark diese ausgeprägt sind.

1. Mobilität
2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
4. Selbstversorgung
5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Auf Grundlage der durch den MDK oder MEDICPROOF (bei privat versicherten) festgestellten Beeinträchtigungen der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten erfolgt die Zuordnung zu einem Pflegegrad. Hierfür wird ein Punktesystem genutzt, das von Pflegewissenschaftlern erarbeitet und gesetzlich festgelegt wurde.

Jedes der Module besteht aus einzelnen Kriterien. Für jedes dieser Kriterien wird in einem ersten Schritt eine Punktzahl vergeben. Je stärker die Selbstständigkeit eingeschränkt ist, desto höher ist die jeweilige Punktzahl.
Die Punktzahlen der einzelnen Kriterien werden addiert, so dass sich für jedes Modul ein Summenwert (Summe der Einzelpunkte) ergibt. Anhand dieser Summe erfolgt für jedes Modul die Festlegung eines Schweregrades der Beeinträchtigungen: keine, geringe, erhebliche, schwere oder schwerste Beeinträchtigung der Selbstständigkeit oder der Fähigkeiten.

Die 6 Module zur Pflegebegutachtung

Modul 1: Mobilität
Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs, Treppensteigen.

Modul 2: Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
Erkennen von Personen aus dem näheren Umfeld, örtliche Orientierung, zeitliche Orientierung, Erinnern an wesentliche Ereignisse oder Beobachtungen, Steuern von mehrschrittigen Alltagshandlungen, Treffen von Entscheidungen im Alltagsleben, Verstehen von Sachverhalten und Informationen, Erkennen von Risiken und Gefahren, Mitteilen von elementaren Bedürfnissen, Verstehen von Aufforderungen, Beteiligen an einem Gespräch.

Modul 3: Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
Motorisch geprägte Verhaltensauffälligkeiten, nächtliche Unruhe, selbstschädigendes und autoaggressives Verhalten, Beschädigen von Gegenständen, physisch aggressives Verhalten gegenüber anderen Personen, verbale Aggression, andere pflegerelevante vokale Auffälligkeiten, Abwehr pflegerischer und anderer unterstützender Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste, Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage, sozial inadäquate Verhaltensweisen, sonstige pflegerelevante inadäquate Handlungen.

Modul 4: Selbstversorgung
Waschen des vorderen Oberkörpers, Körperpflege im Bereich des Kopfes, Waschen des Intimbereichs, Duschen und Baden einschließlich Waschen der Haare, An- und Auskleiden des Oberkörpers, An- und Auskleiden des Unterkörpers, mundgerechtes Zubereiten der Nahrung und Eingießen von Getränken, Essen, Trinken, Benutzen einer Toilette oder eines Toilettenstuhls, Bewältigen der Folgen einer Harninkontinenz und Umgang mit einem Dauerkatheter und Urostoma, Bewältigen der Folgen einer Stuhlinkontinenz und Umgang mit Stoma, Ernährung parenteral oder über Sonde.

Modul 5: Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
a) in Bezug auf Medikation, Injektionen, Versorgung intravenöser Zugänge, Absaugen und Sauerstoffgabe, Einreibungen sowie Kälte- und Wärmeanwendungen, Messung und Deutung von Körperzuständen, körpernahe Hilfsmittel
b) in Bezug auf Verbandswechsel und Wundversorgung, Versorgung mit Stoma, regelmäßige Einmalkatheterisierung und Nutzung von Abführmethoden, Therapiemaßnahmen in häuslicher Umgebung
c) in Bezug auf zeit- und technikintensive Maßnahmen in häuslicher Umgebung, Arztbesuche, Besuche anderer medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, zeitlich ausgedehnte Besuche medizinischer oder therapeutischer Einrichtungen, Besuch von Einrichtungen zur Frühförderung bei Kindern d) in Bezug auf das Einhalten einer Diät oder anderer krankheits- oder therapiebedingter Verhaltensvorschriften.

Modul 6: Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte
Gestaltung des Tagesablaufs und Anpassung an Veränderungen, Ruhen und Schlafen, sich beschäftigen, Vornehmen von in die Zukunft gerichteten Planungen, Interaktion mit Personen im direkten Kontakt, Kontaktpflege zu Personen außerhalb des direkten Umfelds.

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